Öde Gärten mit grünem Anstrich

Umwelt Von Extern | am Di., 24.03.2020 - 17:23

Tag für Tag schreitet der Artenschwund voran, gehen Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Die Ursachen sind komplex, doch spielen vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren hohen Pestizideinsätzen und dem Verlust an kleinräumigen Strukturen wie Hecken, Wegränder und Feldraine, die Versiegelung von Freiflächen durch den Bau von Verkehrswegen und die Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbeflächen eine zentrale Rolle.

Obwohl öffentlichen und privaten Grünflächen eine steigende Bedeutung für Artenvielfalt und Naturerleben zukommt, ist der Trend zu pflegeleichten Gärten mit Kies- und Schotterflächen, Pflasterungen, sterilen Rasenflächen und fremdländischen Gewächsen ungebrochen. Gleichzeitig ist als Reaktion auf den dramatischen Rückgang an Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen und Schmetterlingen ein Hype entstanden, den sich Gartenzentren und Baumärkte zunutze machen: Überall werden dekorative Insektenhotels in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben angeboten, die aufgrund ihrer Bauweise und der verwendeten Materialien als Lebensraum für Insekten völlig ungeeignet sind. Außerdem sei, erläutert Klaus Thiele vom Naturschutzbund NABU Heidekreis, „selbst die Anschaffung geeigneter Insektenhotels nur sinnvoll, wenn gleichzeitig Lebensgrundlagen für die schlüpfenden Wildbienen und andere Arten geschaffen werden.“ 

Im Mittelpunkt steht dabei eine Vielfalt an heimischen Blütenpflanzen, die den Insekten als Nektar-, Pollen- und Samenquelle dienen. Doch gerade diese wertvollen Wildkräuter wie Löwenzahn, Hornklee, Ehrenpreis, Hahnenfuß oder Kriechender Günsel werden von vielen Gartenbesitzern vehement bekämpft, weil sie die Verunkrautung ihrer Beete befürchten und das Idealbild der in der Werbung propagierten „grünen Gärten“ vor Augen haben: Saftig grüne Monokulturen, in denen die Halme einer einzigen Grassorte, akkurat gestutzt, dicht an dicht stehen und die eher an einen samtigen Teppich als an einen natürlichen Lebensraum erinnern. Wenn diese perfekten Golfrasen zudem tagtäglich von einem Mähroboter abrasiert werden, haben nicht nur Wildkräuter, sondern auch Spinnen, Blindschleichen, Eidechsen und andere kleine Tiere nicht die geringste Chance. Sie werden schlicht überrollt, verstümmelt und verletzt, während „Biene Maja“ und ihre wilden Verwandten hungrig davonbrummen. 

Wer in diese Werbefalle getappt ist, aber nun daran denkt, seinen artenarmen, monotonen Garten in ein lebendiges, vielfältiges Refugium umzuwandeln, findet unter www.NABU.de/gartenvielfalt viele Informieren und Tipps zur naturnahen Gartengestaltung. Dabei empfiehlt es sich, schrittweise vorzugehen. „Man muss nicht gleich seinen gesamten Garten umkrempeln“, betont Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg. „Auch mit wenig Aufwand lassen sich Nahrungsquellen und Lebensräume für bedrohte Arten schaffen.“ So kann man beispielsweise statt Thuja oder Kirschlorbeer heimische Beerensträucher und Gehölze pflanzen, unter der Hecke auf Jäten und Laubharken verzichten, ein Staudenbeet oder einen artenreiche Blumenwiese anlegen, Äste in einer Gartenecke aufschichten oder eine Teilfläche nach dem Motto „Mehr Wildnis wagen“ sich selbst überlassen.