Branchengespräch "Schwein" endet mit Appell: „Jeder muss seinen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten."

Politik Von Extern | am Mo., 06.09.2021 - 14:31

HANNOVER. Mit einem deutlichen Apell endete heute Mittag das Branchengespräch Schwein im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast formulierte in der Videokonferenz eine deutliche Erwartung an die Marktpartner: „Jeder muss seinen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten: Wir brauchen ein klares Bekenntnis des Handels zur deutschen Produktion. Dies muss dringend auch die Stufe der Sauenhalter beinhalten. Wer den Verbrauchern regionale Produkte oder ausschließlich Ware aus den Haltungsstufen 3 und 4 verspricht, muss den Bauern Planungssicherheit durch langfristige Verträge geben. Aber auch die Landwirtschaft ist gefordert. Das Angebot ist immer noch zu groß. Inzwischen muss doch klar sein: Wenn die Nachfrage nicht da ist, dann benötigen wir auch weniger Schweine."

Die Ministerin betonte, dass für Niedersachsen mit dem drohenden Strukturbruch viel mehr auf dem Spiel steht, als die endgültige Schließung einiger Hoftüren. „Die Landwirtschaft ist der Motor im ländlichen Raum. Wenn der stottert, dann läuft hier nichts mehr rund." Sie drängte daher auf eine zügige Implementierung des Konzepts der Borchert-Kommission, um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Nutztierhaltung abzusichern. Bei der Agrarministerkonferenz wird Niedersachsen einen Antrag einbringen, um zwischen Bund und Ländern ein abgestimmtes Vorgehen gegen die Strukturkrise zu erreichen. In Niedersachsen gibt es rund 5000 Betriebe mit 8,195 Millionen Schweinen.

Die Beteiligten machten deutlich, dass kein Ende der Preisspirale in Sicht ist. Seit der Erzeugerpreis auf 1,30 Euro/kg Schlachtgewicht gefallen ist, geht die Angst vor einem „noch nie dagewesenen Strukturbruch" in der Branche um. Positiv wurden deshalb die Signale der REWE Gruppe gewertet. Diese kündigte an, rund 95 Prozent der Produkte als „5D" auszuzeichnen: Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung in Deutschland.

„Wir erwarten diese Selbstverpflichtungserklärung vom gesamten Handel", erklärte Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Es wurde deutlich, dass dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit mit zwei Maßnahmen entgegengesteuert werden muss:

  1. Höhere deutsche Tierwohl-Standards werden durch geeignete Finanzierungsmodelle flankiert, wie dies die Borchert-Kommission vorgeschlagen hat. Mehr Platz für die Tiere in den Ställen bedeutet dann auch weniger Schweine.
  2. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) wird mittelfristig so angepasst, dass die Erbringung höherer Tierwohl- und Umweltstandards alternative Einkommensmöglichkeiten für Landwirte eröffnet.

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast: „Die Zeit drängt, die Not der Schweinehalter wächst täglich. Wir brauchen zwingend Hilfe von der Bundespolitik".

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Helmut Dammann-Tamke begrüßt den Appell der Agrarministerin:

„Ich bin sehr erfreut, dass unsere niedersächsische Landwirtschaftsministerin heute beispielhaft vorangeht und alle Marktteilnehmer der Wertschöpfungskette aus der Fleischwirtschaft zu einem Branchengespräch an einen Tisch bekommen hat. Jetzt gilt es, die Konzepte der Borchert-Kommission zügig umzusetzen, damit unsere Landwirtschaft weiter der Motor des ländlichen Raumes bleiben kann und ein massiver Strukturbruch im ländlichen Raum verhindert wird.

Die Fleischwirtschaft und der Lebensmittelhandel können in dieser Krise beweisen, ob sie ein vertrauensvoller Partner beim Umbau der Tierhaltung zu mehr Tierwohl sind. Die Zweifel unter den Landwirten wachsen diesbezüglich jeden Tag.“