Grüner Wasserstoff aus Niedersachsen kann Energieträger der Zukunft werden

Den gestern gefassten Beschluss der Niedersächsischen Landesregierung den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft auf Basis erneuerbarer Energien durch einen Entschließungsantrag im Bundesrat zu unterstützen, ist aus Sicht der IHKN ein richtiger und wichtiger Schritt.

„Der Vorstoß der Minister Lies und Althusmann ist gut. Wir müssen allerdings noch weitergehen“, sagt Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN). Die Minister wollten in ihrem Entschließungsantrag die Bundesregierung auffordern, ihre angekündigte Wasserstoffstrategie auch umzusetzen und sich auf europäischer Ebene für angemessene Rahmenbedingungen einzusetzen. „Wir brauchen aber möglichst bald ganz konkrete Änderungen des bestehenden nationalen Rechtsrahmens, wie zum Beispiel die Befreiung von der EEG-Umlage für Strom, der zur Herstellung von Wasserstoff verwendet wird“, macht Schmitt deutlich.

Die IHKN hat in ihrem Papier „‘Grüner Wasserstoff‘ – Energieträger der Zukunft“ vom Juli 2019 die aus ihrer Sicht wichtigsten Schritte zum erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft benannt.

„Dazu gehören neben der finanziellen Entlastung von Strom für die Elektrolyse auch die verstärkte Nutzung von Wasserstoff als Energiespeicher, und das nicht nur für momentan häufig vorhandenen ‚Überschussstrom‘, sondern dauerhaft zur Zwischenspeicherung von Strom aus erneuerbaren Energien“, macht Dr. Jan Amelsbarg, Sprecher Energie der IHK Niedersachsen, deutlich. Außerdem müssten Wissenschaft und Forschung zur Herstellung und Nutzung von Wasserstoff noch viel stärker unterstützt werden.

‘Grüner‘ Wasserstoff könne einen erheblichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten, so Amelsbarg weiter. „Denn Wasserstoff, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, ist äußerst vielfältig einsetzbar: Er kann fossil basierten Wasserstoff ersetzen, zur Langzeitstromspeicherung und Rückverstromung genutzt werden und in industriellen Prozessen zur Anwendung kommen.“

Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten seien, zeigten die schon heute bestehenden Anwendungen in Niedersachsen. „Ich nenne hier nur beispielhaft die Power-to-Gas-Anlage der Audi AG in Werlte, die Energie für Fahrzeuge produziert, den testweisen Einsatz von grünem Wasserstoff bei der Raffinerie der BP in Lingen oder den von Alstom in Salzgitter gebauten iLint-Zug, der von Brennstoffzellen angetrieben wird“, so Amelsbarg.

Diese und weitere Projekte der Wirtschaft machten deutlich, dass Unternehmen bereit seien, aus regenerativ erzeugtem Strom hergestellten Wasserstoff stärker einzusetzen und neue Einsatzmöglichkeiten zu erproben. Allerdings seien die von der IHK Niedersachsen geforderten Änderungen der Rahmenbedingungen dringend notwendig, um aus Pilotprojekten auch langfristig Investitionen zu machen.