Heidekreis-Klinikum in Walsrode informiert zum Welt-Frühgeborenentag

Medizin Von Extern | am Mi., 13.11.2019 - 16:56

HEIDEKREIS / WALSRODE. Am 17. November ist der Welt-Frühgeborenentag. Die Neonatologie des Heidekreis-Klinikums Walsrode nimmt diesen Tag zum Anlass und beantwortet von 11 bis 16 Uhr alle Fragen rund um die Frühgeburtlichkeit in der Eingangshalle des Heidekreis-Klinikums in Walsrode.

Weltweit ist jedes 9. bis 10. Kind ein Frühgeborenes („Frühchen“). In Deutschland kommen jedes Jahr rund 65.000 Neugeborene als Frühgeborene auf die Welt. Frühgeborene sind Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Diese kleinen „Erdenbürger“ und ihre Familien brauchen von Anfang eine besondere Unterstützung, auf die sich das Team der Neonatologie des Heidekreis-Klinikums (HKK) Walsrode als perinatologischer Schwerpunkt für Frühgeborene  32. SSW (Schwangerschaftswoche) und/oder einem Geburtsgewicht  1500 g spezialisiert hat. In diesem Interview berichtet eine Mutter, die kürzlich Zwillinge in der 33. SSW im HKK entbunden hat über ihre Erfahrungen.

Ramona ist nicht zum ersten Mal schwanger. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie bereits eine Tochter. Die Schwangerschaft der Zwillinge verlief anfangs normal. In der 26. SSW stellte die niedergelassene Gynäkologin bei einer Routineuntersuchungen fest, dass Ramonas Gebärmutterhals verkürzt war. Ramona: „Mir wurde erklärt, dass dieser sich durch den Druck der beiden Babys öffnen könne, bevor sie für die Geburt bereit sind und eine Frühgeburt droht.“ Da die Neonatologie des Heidekreis-Klinikums erst Frühgeburten ab der 32. SSW betreut, verbrachte Ramona sechs Wochen in der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort bekam sie wehenhemmende Medikamente, um die Geburt so lange es geht, hinauszuzögern. Über diese Zeit erzählt Ramona: „Da ich ein absoluter Familienmensch und sehr heimatgebunden bin und meine Familie 1,5 Stunden fahren musste, um mich zu besuchen, kamen mir diese 6 Wochen wie eine halbe Ewigkeit vor.“

Die Zeit verging. In der 32. SSW entließ sich Ramona auf eigene Verantwortung selbst, „da ich wusste, dass ich ab dieser Zeit in der Neonatologie des HKK aufgenommen werden konnte.“

Lange konnte Ramone die Zeit Zuhause bei ihrer Familie nicht genießen. „Ich hatte drei Tage Frieden Zuhause“, grinst sie. „Als ich vom Sofa aufstand, war unter mir der Boden plötzlich etwas nass.“ Ramona fuhr vorsorglich zum Arzt und war sehr erstaunt, „als ich hörte, dass meine Fruchtblase geplatzt ist! Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben, ich war doch erst in der 33. SSW. Ich war mir sicher, dass sich meine Frauenärztin einfach verrechnet haben muss.“

Mit dem Rettungswagen schickte der Arzt Ramona sofort ins HKK: Er hatte Angst, dass ich auf seinem Praxisflur entbinde.“

Kaum im Kreißsaal angekommen, traf Ramona auf Frau Dr. med. Anne Arning, die Leitende Oberärztin. „Sie hat mir genau erklärt, wie nun die Abläufe sein werden – und dann ging alles ziemlich schnell. Fritz (1796 g) hatte es sehr eilig, er war bereits nach 20 Minuten auf der Welt.“ Luise (1990 g) jedoch drehte sich in die „Querlage“, sodass Ramona sie nicht auf natürlichem Weg entbinden konnte. Ein Notkaiserschnitt folgte. „Auch hier hatte ich keine Angst, da mich das Team vor der Entbindung schon auf diese mögliche Notwendigkeit vorbereitet hatte.“

Nach der Geburt kamen Fritz und Luise auf die Neonatologie, die Neugeborenen-Intensivstation. Oberärztin Dr. Arning erklärt: „Jedes Frühchen kommt auf die Neonatologie. Die kleinen ‚Neo-Spätze‘, wie wir sie gerne nennen, brauchen besondere Fürsorge und Beobachtung, die wir nur hier auf der Neonatologie in vollem Umfang leisten können.“

Ramona war neugierig wie ihre „Kleinen“ wohl aussehen werden: „Ich war erstaunt, wie ‚fertig‘ sie aussahen, so ausgereift. Als ich sie im Inkubator mit der Magensonde gesehen habe, habe ich mir natürlich erst große Sorgen gemacht. Aber die Schwestern und Pfleger haben uns alles erklärt: Wie man die Windeln wechselt und auch, wie man sie überhaupt anfasst: Die beiden waren so winzig, so zerbrechlich. Man will sie ja nicht „kaputt“ machen.“, erinnert sich Ramona lächelnd. „Es gab keine Grenzen von Seiten des Neo-Teams, wir hatten alle Freiheiten, die wir brauchten. Die Schwestern haben uns jederzeit geholfen, egal zu welcher Uhrzeit.“

Nach ungefähr einer Woche durften Fritz und Luise zu Ramona auf die Normalstation, ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. „Das war ein guter Übergang“, erinnert sich Ramona. „Dort konnte ich wunderbar für Zuhause üben. In der einen Nacht haben Fritz und Luise zum Beispiel gleichzeitig geweint, weil sie Hunger hatten. Da war ich kurz überfordert und dachte mir dann ‚Wir muckeln uns das jetzt irgendwie zurecht.‘ Ich habe sie dann eingewickelt, in mein Bett gelegt und stereogefüttert. Das Wissen, in dieser, wie auch in anderen Situationen, jederzeit nach Hilfe klingeln zu können, wenn es nicht gleich geklappt hätte, hat mir die nötige Sicherheit gegeben, es einfach selbst zu versuchen.“

Mittlerweile sind Ramona, Fritz und Luise Zuhause und meistern gemeinsam mit der ganzen Familie den Alltag. Wie auch in diesem Fall, war und ist es oft nicht vorhersehbar, dass eine Frühgeburt droht. Oberärztin Dr. Arning: „Dann gerät der Zeitplan durcheinander und die Situation an sich versetzt die Eltern natürlich in große Sorge. Es ist alles ungewiss, vieles ist noch nicht fertig organisiert. Auch hier versuchen wir als Team die Eltern zu unterstützen, zum Beispiel mit ‚Frühen Hilfen‘.“