Junge Medizinerin absolviert Weiterbildung bewusst im Heidekreis

Medizin Von Extern | am Mo., 11.01.2021 - 16:06

NEUENKIRCHEN. Seit November 2020 ist die junge Medizinerin Jana Arnold in der Arztpraxis Dr. med. Heino Feldbrügge und Doreen Kleine Stegemann in Neuenkirchen tätig. Sie absolviert dort eine zweijährige Weiterbildung, die für die Anerkennung als Fachärztin für Allgemeinmedizin erforderlich ist. Der Heidekreis unterstützt diese Ausbildung mit einer monatlichen Förderung. Ziel dieser Förderung ist die langfristige medizinische Versorgung der Menschen im Heidekreis, insbesondere im Bereich der Allgemeinmedizin. Jana Arnold berichtet, warum sie sich für Neuenkirchen entschieden hat und über ihre ersten Erfahrungen in einer Landarztpraxis.

Sie hat sich folgenden Fragen gestellt:

Wie sah Ihr bisheriger Werdegang aus?

Nach meiner Approbation Ende 2017 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main habe ich meine erste Stelle am Heidekreis-Klinikum Soltau begonnen. Dort war ich von Beginn an als Assistenzärztin für Allgemeinmedizin beschäftigt. Ich durfte in verschiedenen Fachrichtungen, besonders der Inneren Medizin und auch der Unfallchirurgie Erfahrungen sammeln. Nach knapp drei Jahren Klinik wurde es nun Zeit für die Weiterbildung in der Praxis.

Wie sind Sie auf die Allgemeinmedizin gekommen?

Bereits im Studium reizte mich das Fach. Deshalb verbrachte ich meine erste Famulatur (Monatspraktikum) in einer Landarztpraxis in Rheinland-Pfalz. Danach war für mich klar, dass ich Hausärztin werden möchte. Besonders gefallen hat mir dabei das breite Spektrum an Patientinnen und Patienten vom Kind bis zur Seniorin/zum Senior, die vielfältigen Krankheitsbilder und die langjährige Betreuung.

Möchten Sie später eine Landarztpraxis übernehmen?

Ich kann mir gut vorstellen, später mit einem oder mehreren Kolleginnen oder Kollegen eine Landarztpraxis zu führen. Ganz alleine könnte ich mir jedoch aufgrund der hohen Arbeitsbelastung nicht vorstellen, eine Praxis zu unterhalten.

Was müssen Sie noch tun, um Ihr Ziel zu erreichen?

Zunächst werde ich für zwei Jahre in Neuenkirchen in der Praxis ausgebildet. Danach kommen noch drei Monate einer anderen Fachrichtung, die noch nicht feststeht. Anschließend kann ich mich zur Facharztprüfung melden und diese ablegen. Danach dürfte ich dann die Facharztbezeichnung für Allgemeinmedizin führen und mich niederlassen.

Was hat Sie an der Stelle in Neuenkirchen gereizt?

Die Praxis Dr. Feldbrügge/Kleine-Stegemann ist eine typische Landarztpraxis, wie ich sie mir auch für meine berufliche Zukunft vorstellen kann. Kolleginnen und Kollegen haben mir nur Gutes über die Praxis berichtet. Außerdem hat Dr. Feldbrügge schon früh aktiv Kontakt zu mir aufgenommen und über seine Arbeit berichtet. Auch der zusätzliche Schwerpunkt für Palliativmedizin und die Mitbetreuung von Pflegeeinrichtungen waren für mich von Interesse.

Ist Ihnen der Anfang schwergefallen? 

Zu Beginn musste ich mich allgemein sehr umstellen, da sich das Arbeiten in einer Praxis sehr von der klinischen Arbeit unterscheidet. Neben bürokratischen Hürden musste ich mich auch daran gewöhnen, dass das Patientenkollektiv völlig gemischt und nicht fachlich vorsortiert ist. So kann man an einem Vormittag mit Krankheitsbildern aus einer Vielzahl von Fachgebieten konfrontiert sein. Durch die gute Zusammenarbeit im Team und das geduldige Beantworten meiner Fragen habe ich mich mittlerweile gut eingelebt.

Wie haben die Patientinnen und Patienten reagiert?

Die meisten waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen und natürlich interessiert, wie die neue Ärztin „so tickt“. Manchmal war auch einige Überzeugungsarbeit nötig, um eine Vertrauensbasis schaffen zu können. Allgemein sind die Patientinnen und Patienten auch schon gewohnt, dass von Zeit zu Zeit eine neue Assistenzärztin / ein neuer Assistenzarzt in die Praxis kommt. Das hat mir den Anfang erleichtert.

Was war in der ersten Zeit Ihre größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung lag besonders darin, rasch eine vertrauensvolle Verbindung zu den Patientinnen und Patienten aufzubauen, denen ich völlig fremd war. Zudem wurde ich mit Krankheitsbildern konfrontiert, die ich bislang noch nicht behandelt hatte. Da musste ich manches Mal meine Kolleginnen und Kollegen oder die Literatur befragen. Auch die Corona-Pandemie spielte besonders im Rahmen der infektiologischen Sprechstunde eine große Rolle. Die Sorgen und die Verunsicherung der Patientinnen und Patienten in dieser Zeit stehen bei vielen Gesprächen im Vordergrund.

Sie erhalten eine monatliche Unterstützung. Hilft Ihnen das und war das möglicherweise ein Grund, um Ihre Weiterbildung im Heidekreis durchzuführen?

Die Förderung war nicht in erster Linie ausschlaggebend für mich, die Weiterbildung im Heidekreis durchzuführen. Das geschah primär aufgrund meiner Überzeugung, hier eine gute Ausbildung zu erhalten. Dennoch hilft mir die finanzielle Unterstützung, um mir im Heidekreis ein Leben aufzubauen und ich bin sehr dankbar dafür.

Könnten Sie sich vorstellen, später im Heidekreis zu praktizieren?

Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, langfristig als Hausärztin im Heidekreis tätig zu sein.