"Es geht darum, den Menschen zuzuhören" - Leiterin der Telefonseelsorge im Interview

Religion Von Extern | am Di., 01.12.2020 - 15:51

SOLTAU. Im Interview erläutert Petra Horn, Leiterin der Telefonseelsorge des Kirchenkreises Soltau, die Arbeit der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Die Fragen stellte Wilko Burgwal, Beauftragter für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Soltau.

Burgwal: Wie lange besteht eigentlich die Telefonseelsorger Soltau schon?
Horn: Die Telefonseelsorge Soltau hat in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert. 

Wie viele Gespräche werden denn in einem Jahr geführt?
Wir hatten 5961 Anrufe im Jahr 2019. Die Tendenz ist zunehmend, ich kann aber erst ein gutes Jahr als Leiterin überblicken. In den Monaten des Lockdowns sind die Zahlen auf Bundesebene um etwa 15-20% hochgegangen. Und auch jetzt ist es seit September wieder absehbar, dass die Zahlen im Teil-Lockdown wieder hochgehen. 

Gibt es Menschen, die häufiger bei Ihnen anrufen?
Ja, es gibt einen Anteil von sogenannten Daueranrufern, die sich auch mehrfach melden.

Welche Themen werden bei den Gesprächen besonders häufig angesprochen?
Themen wie depressive Stimmung, Ängste, Einsamkeit und auch Suizidgedanken kommen im Gespräch häufig als Thema vor. Es gibt natürlich auch andere Themen wie z.B. Beziehungen, Konflikt oder Krankheiten. 

Wie viele Menschen leisten ehrenamtlich bei Ihnen Telefondienst?
53 Menschen leisten bei uns ehrenamtlich Telefondienst. Sie kommen aus den Landkreisen Heidekreis, Uelzen, Winsen, Lüneburg und Rotenburg. Sie fahren bis zu einer Stunde zu unserer Dienststelle.

Wie lange dauern die Telefonschichten?
Sie können  in einem Zwei-Stunden- Rhythmus wählen. Die meisten Ehrenamtlichen telefonieren 4 - 6 Stunden  oder übernehmen eine Nachtschicht. 

Kann man generell sagen, wie ein Gespräch abläuft?
Das ist schwierig zu sagen. Es geht aber vor allen darum, den Menschen zuzuhören und keine Ratschläge zu gehen. 

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um selber ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge zu arbeiten?
Sie sollten geduldig und einfühlsam sein, und natürlich gut zuhören können. Eine gute Portion Humor und Frustrationstoleranz kann auch nicht schaden. Mitbringen muss man unbedingt eine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Die Ausbildung dauert ca. 9 Monate. Der nächste Durchgang der kostenlosen Ausbildung startet im März 2021. Zur Ausbildung gehören dann vier Säulen der Ausbildung: Selbstreflexion, Gesprächsführung, Informationen zu bestimmten Themen wie Tod/Trauer, psychische Krankheitsbilder und die Hospitation bei erfahrenen Ehrenamtlichen.

Gehe ich mit der Ausbildung irgendwelche Verpflichtungen ein?
a, die Teilnehmer verpflichten sich mit der Ausbildung für drei Jahre jeweils zwölf Stunden Telefondienst im Monat zu übernehmen. Dazu gehört auch, dass sie regelmäßig an Fortbildung und Supervision teilnehmen. 

Was habe ich eigentlich persönlich davon, wenn ich bei ihnen mitarbeite?
Ich merke, dass ich hilfreich für Menschen in Not bin. Das ist vielleicht das Wichtigste. Aber ich lerne auch mich selber besser kennen.  Natürlich verbessern die Gesprächsübungen auch meine eigene Kommunikation in der Familie und im Freundeskreis. Davon berichten viele Mitarbeitende der Telefonseelsorge.

Muss ich eigentlich in der Kirche sein, wenn ich bei Ihnen mitarbeiten möchte?
Es wäre natürlich schön, wenn die Ehrenamtlichen einer christlichen Kirche angehören, es ist aber keine Voraussetzung. Bei uns arbeiten auch Konfessionslose mit. Wichtige Voraussetzung für alle Ehrenamtlichen ist es aber, dass sie unterschiedliche Wertekonzepte und Glaubensüberzeugungen stehen lassen können. 

Wie kann ich mich bewerben, wenn ich Interesse habe?
Interessierte können sich auf der Internetseite  www.telefonseelsorge-soltau.de näher informieren. Dort ist auch das Bewerbungsverfahren näher erläutert.