Foto: Tetra Pak

BERLIN. Nach einer Abmahnung durch die Verbraucherorganisation foodwatch musste der Verpackungskonzern Tetra Pak unerlaubte Werbeaussagen zu gesüßter Schulmilch zurückziehen. Das Unternehmen, das unter dem Namen „Joe Clever“ gemeinsam mit Molkereien eine eigene Schulmilch-Marke betreibt, hatte unter anderem behauptet, dass der Schulkakao die Intelligenz und das Selbstvertrauen von Schülerinnen und Schülern erhöhe und trotz der Zuckerzusätze sogar zur Übergewichtsprävention eingesetzt werden könne – ein klarer Verstoß gegen Verbraucherschutzvorgaben. Die Aussagen bis hin zu dem Versprechen einer „möglichen Verbesserung von durchschnittlich sieben IQ-Punkten bei Schülerinnen und Schülern“ bzw. „von rund 30 PISA-Werten“ gehen auf eine aus Sicht von foodwatch unseriöse Auftragsstudie für Tetra Pak zurück. In einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verpflichtete sich das Unternehmen, die unzulässigen Aussagen nicht weiter zu verbreiten.

Zuvor mussten bereits der Molkereikonzern Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW gesundheitsbezogene Werbeaussagen im Kontext des Schulmilchprogramms zurückziehen. Auch das Deutsche Milchkontor (DMK) erklärte in dieser Woche formlos gegenüber foodwatch, die bis vor wenigen Tagen noch abrufbaren Aussagen der DMK-Tochter Milram über angeblich positive Effekte von Kakao auf die „Lernleistung“ beziehungsweise „mentale Leistungsfähigkeit“ nicht weiter zu verbreiten. Milram war bereits vor einigen Jahren aus dem Schulmilchgeschäft ausgestiegen, habe zuvor jedoch wie andere Unternehmen versucht, gezuckerte Milchprodukte als gesund zu bewerben.

„Landliebe, Tetra Pak, Milram, ein Lobbyverein – es grenzt schon fast an organisierte Kriminalität, wie Unternehmen und Verbände der Milchwirtschaft unisono gegen Verbraucherschutzvorgaben verstießen und mithilfe wiederkehrender Auftragsforscher und unzulässiger Behauptungen dem zuckrigen Kakao bei Eltern, Schülern und Lehrern ein gesundes Image verpassen wollten“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Wo waren eigentlich die Lebensmittelkontrollbehörden? Statt einzuschreiten, wenn die Schulmilchprofiteure gegen Gesetze verstoßen, paktieren die Bundesländer lieber mit den Unternehmen und Verbänden bei der Förderung von gezuckerter Schulmilch und der Gestaltung von Ernährungsunterricht – zu Lasten der Kindergesundheit“.

foodwatch forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg auf, ihre Schulmilchprogramme endlich zu reformieren: Die drei Bundesländer seien die einzigen, die noch an Steuer-Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen festhielten. Alle anderen Bundesländer, die am Schulmilchprogramm teilnehmen, förderten nur noch ungesüßte Milch oder hätten erklärt, vom nächsten Schuljahr an keine gezuckerte Milch mehr zu bezuschussen. Die Europäische Union, aus deren Haushalt die Fördermittel kommen, wolle mit Blick auf die hohe Zahl übergewichtiger Kinder nur ungezuckerte Milchprodukte fördern – NRW, Berlin und Brandenburg weichen von diesem Grundsatz mit Sonderregelungen ab.

Der Getränkekarton-Hersteller Tetra Pak hatte Schulmilchprodukte unter anderem damit beworben, dass „durch den Konsum von Joe Clever Schokolade eine Steigerung des Intelligenz Quotienten (IQ) um sieben IQ-Punkte gemessen werden“ könne und die Schokomilch „das Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler in die eigene Leistungsfähigkeit“ verbessere. Das verstieß gegen die europäische Health-Claims-Verordnung, die Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden und falschen gesundheitsbezogenen Versprechen schützen soll. Zum vermeintlichen Beleg hatte Tetra Pak eine Studie mit winziger Probandenzahl und zweifelhaften Methoden in Auftrag gegeben. „Es besteht keine Absicht, die Studie in Zukunft noch einmal zu verwenden“, heißt es in der Unterlassungsverpflichtung des Unternehmens.

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