Ausblick auf das Schuljahr 21/22 - Tonne: „Wohlergehen und Lernerfolg der Schüler:innen stehen im Mittelpunkt"

Politik Von Extern | am Di., 22.06.2021 - 14:43

HANNOVER. Das Schuljahr 2021/2022 soll nach den Sommerferien Anfang September im vollständigen Regelbetrieb starten. Sicherheits- und Infektionsschutzmaßnahmen sind dabei weiterhin streng zu beachten, wie Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne heute mitgeteilt hat. So solle vorerst bis Ende September weiterhin die Testpflicht gelten. Dieses Instrument habe sich bewährt und könne auch den Start ins neue Schuljahr absichern, so der Kultusminister.

Tonne: „Wir planen auf der Basis von Normalität mit dem Szenario A. Denn Stand heute ist die Einschätzung eindeutig, dass das milde Infektionsgeschehen den Regelbetrieb in Szenario A zulässt. Gleichwohl ist klar, dass wir auf Sicherheitsmaßnahmen nicht verzichten dürfen. Wir wären schlecht beraten, alle Sicherheitsmaßnahmen fallen zu lassen. Das Virus bestraft Nachlässigkeiten. Die Diskussion um die Delta-Variante zeigt, dass Vorsicht geboten ist."

Auch die derzeit gültigen Regelungen zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sollten weitergeführt werden, um einen sicheren Schulbetrieb für alle Schülerinnen und Schüler sowie das Schulpersonal zu gewährleisten. Demnach soll überall dort, wo sich feste Schülergruppen (Kohorten) vermischen und der Abstand nicht eingehalten werden kann, wie beispielsweise auf Fluren und Gängen, eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Ab einer Inzidenz von 35 besteht mit Ausnahme der Grundschulen bzw. der Schuljahrgänge 1-4 die Maskenpflicht auch im Unterricht am Sitzplatz. Insbesondere für die Schülerbeförderung im ÖPNV soll die Maskenpflicht auch zu Beginn des neuen Schuljahres gelten.

Auf Schul- und Pausenhöfen bzw. an der frischen Luft müssten absehbar keine Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden.

Zudem ist nach derzeitigem Stand geplant, die im Stufenplan 2.0 festgeschriebenen inzidenzbasierten Regelungen für Szenarienwechsel fortzuführen. Tonne betonte, niemand wünsche sich Wechsel- oder Distanzunterricht, sondern durchgängigen und vollumfänglichen Präsenzunterricht im Szenario A. „Dennoch ist es richtig, Orientierung und Verlässlichkeit zu geben und funktionierende Regelungen aufrechtzuerhalten. Das verhindert hektisches Handeln, wenn wieder - was hoffentlich nicht eintritt - eine verschärfte Infektionslage entsteht. Wir alle müssen weiterhin vorsichtig sein und dürfen nicht übermütig werden, denn das Virus ist nicht weg. So schützen wir auch Szenario A. Ein Szenario B oder C können nie erste Wahl sein", so der Kultusminister. Daher werde auch der Niedersächsische Rahmenhygieneplan Corona Schule weiterhin gelten und die Lüftungsregeln aufrechterhalten. Auch die regelmäßigen Abstimmungsprozesse zwischen dem Kultusministerium und dem Landesgesundheitsamt zur Bewertung der aktuellen Infektionslage werden weitergeführt, auch in den Sommerferien. Dann würden die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Schulen erneut über den Start ins Schuljahr 2021/2022 informiert.

Zum Start des neuen Schuljahres solle in allen Schulen mindestens in der ersten Woche nach Schuljahresbeginn eine Einstiegsphase stattfinden. Diese könne auf bis zu vier Wochen ausgedehnt werden, kündigte Tonne an. Ziel der Einstiegsphase sei, gemeinsames soziales Interagieren und Lernen zu fördern. Tonne: „Die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte sollen zusammenfinden. Das Wohlergehen und der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler stehen im Mittelpunkt. In einer Atmosphäre der Vertrautheit und des Selbstvertrauens lässt sich auch am besten Lernen." Konkret geht es hierbei zum Beispiel um Orientierungstage, die den Klassenzusammenhalt und die Klassengemeinschaft sowie die Persönlichkeit neu stärken, Gespräche mit Schülerinnen und Schülern über ihre Erfahrungen in der Corona-Pandemie, aber auch das Wiederholen von Unterrichtsinhalten ist ausdrücklich möglich. Bei den bis zu 20 Projekttagen im Rahmen der Einstiegsphase können zudem auch gezielt Distanzlerntage und/oder Szenario B-Phasen für ältere Schülerinnen und Schüler fest im Schulalltag implementiert werden und das Szenario A ergänzen. Projekttage können auch über das Schuljahr verteilt angeboten werden.

Um einen Schulstart zu gewährleisten, der für die Schülerinnen und Schüler ohne Druck und Stress verläuft, werden bis zum 24.09.2021 keine Klassenarbeiten oder Tests geschrieben. Bei den schriftlichen Arbeiten ist vorgesehen, dass die Gesamtzahl der schriftlichen Arbeiten abgesenkt bleibt.

Darüber hinaus können die Fachkonferenzen die Gewichtung der schriftlichen Leistungen in Bezug auf die Gesamtnote in den Fächern anpassen, also die mündlichen Leistungen stärker gewichten. Es sollen die flexiblen Stundentafeln gelten, sodass die Schulen gezielt Stunden umschichten können. So können Schwerpunkte nach Bedarfslage gesetzt werden. Auch die Kerncurricula sollten gestrafft und mit präziseren Vorgaben und Schwerpunktsetzungen versehen werden, welche Lernziele verbindlich erreicht werden sollen. Entsprechende Hinweise werden derzeit erarbeitet.

Mit Blick auf das Thema Abschlussprüfungen erklärte der Kultusminister: „Auch für das kommende Schuljahr 2021/2022 sichern wir faire Abschlussprüfungen zu. Den Prüflingen des kommenden Jahrgangs werden keine coronabedingten Nachteile entstehen. Die Sondersituation für die Jugendlichen, die im Schuljahr 2021/2022 ihren Abschluss machen, werden wir erneut angemessen berücksichtigen." Auf den positiven Erfahrungen der beiden letzten Prüfungsdurchläufe aufbauend sollen im kommenden Schuljahr für die Abschlussprüfungen folgende Rahmenbedingungen gelten:

Abschlussprüfungen Sek I:

  • 2022 finden dezentrale schriftliche Arbeiten in Deutsch, MA und EN statt.
  • Die mündliche Prüfung soll wieder verbindlich für alle Prüflinge stattfinden.
  • Vorherige Bereitstellung von zentralen Aufgaben zur Nutzung für dezentrale Arbeiten durch die Fachlehrkräfte.
  • Die Prüfungstermine bleiben bestehen.

Zentralabitur 2022:

  • Die thematischen Hinweise wurden im Juni 2021 erneut fachspezifisch auf die Situation der Pandemie angepasst, spezifische Inhalte klar ausgeschärft, für nicht prüfungsrelevant erklärt oder durch Modularisierung von Prüfungsaufgaben eine hohe Flexibilität geschaffen.
  • Für alle zentralen Prüfungsfächer wird den Prüferinnen und Prüfern erneut eine erweiterte Aufgabenauswahl vorgelegt, sodass durch diese Vorauswahl durch die Kurslehrkraft eine höhere Passung zwischen den Prüfungsaufgaben und den tatsächlich unterrichteten Inhalten erreicht wird.
  • Je nach Pandemiegeschehen kann nach Antragstellung zur Not auf dezentrale Prüfungen zurückgegriffen werden.
  • Die Prüfungstermine bleiben bestehen.

Die Bestimmung der individuellen Lernausgangslage und das Ausgleichen möglicher Lernrückstände wird eine zentrale Herausforderung des nächsten Schuljahres sein. Die Schulen würden finanziell und personell so ausgestattet, dass sie sich angemessen um die individuelle Lernförderung der Schülerinnen und Schüler kümmern könnten, kündigte Kultusminister Tonne an. „Das ist der Kern unseres Aktionsprogramms, das derzeit finalisiert wird und zeitnah im Detail vorgestellt wird. So viel lässt sich heute bereits sagen: Jede Schule wird ein Sonderbudget erhalten. Mit dem zusätzlichen Geld können die Schulen zum Beispiel schulinterne Projekte zur ganzheitlichen Aufarbeitung der Pandemieerfahrung oder zur Stärkung der Persönlichkeit finanzieren, aber auch im Rahmen des schulischen Angebots Unterstützungsangebote mit Lehramtsstudierenden, pensionierten Lehrkräften, Nachhilfeinstituten, Vereinen und Verbänden Unterstützung organisieren."

Als Grundlage für die individuelle Lernförderung sei die Bestimmung der Lernausgangslage der Schülerinnen und Schüler entscheidend. Diese kann in Gesprächen oder durch digitale Lern- und Diagnostikangebote erfolgen und wird durch ein E-Book mit Hinweisen und Unterstützungsangeboten flankiert.

Kultusminister Tonne abschließend:

„Es steht für mich ganz oben auf der Agenda, dass die Bildungs- und Abschlusschancen unserer Schülerinnen und Schüler gewahrt und vergleichbar bleiben zu den Vorjahren. Niemand muss sich Sorgen machen um sein Kind. Wir werden das Schuljahr nutzen, um Lücken zu schließen und individuell zu unterstützen. Die Kinder und Jugendlichen haben alle Chancen für eine gute Zukunft, das müssen wir immer wieder klarmachen. Und in diesem Zusammenhang stört mich auch der oft zu vernehmende Zungenschlag, die Schülerinnen und Schüler hätten wegen Corona nichts gelernt und seien schlecht gewappnet. Das halte ich für schlicht falsch und eine ganz fatale Botschaft. Ich bin überzeugt, dass auch ganz viel gelernt wurde. Inhaltlich in den Fächern, aber insbesondere auch was selbstorganisiertes und selbstverantwortetes Lernen angeht. Sich Arbeitspakete schnüren, einen Bearbeitungsplan zurechtzulegen, Tagesstruktur und Zeitplanung. Das alles sind wichtige Kompetenzen, die ein großes Gewicht haben. Es gibt Ängste und Verunsicherung - diese sollten wir nehmen und nicht verstärken. Ankommen lassen, individuell unterstützen, Fördern und Fordern - so sollten wir das neue Schuljahr angehen."