Amsel an Fallobst. Foto: NABU/F. Derer

HANNOVER. Die Zwischenbilanz der neunten „Stunde der Wintervögel“ offenbare schlechte Nachrichten von der Amsel. Insgesamt zeigen sich die Wintervogelbestände aber recht stabil. Bei den Teilnehmerzahlen an Deutschlands größter Citizen-Science-Aktion deute sich auch in Niedersachsen erneut ein Teilnehmerrekord an. Bis zum heutigen Mittwoch haben bereits über 10.800 Teilnehmer aus über 7.600 Gärten und Parks dem NABU Niedersachsen ihre Beobachtungen gemeldet. Damit dürften die Teilnehmerzahlen aus dem Vorjahr erneut deutlich übertroffen werden. „Wir freuen uns über die hohen Teilnehmerzahlen und das große Interesse an der heimischen Vogelwelt“, so NABU-Pressereferent Matthias Freter: „So werden unsere Ergebnisse noch aussagekräftiger. Den Vögeln hilft es, wenn immer mehr Menschen ihren Garten als Mini-Naturschutzgebiet begreifen und ihn entsprechend vogelfreundlich gestalten“.

Wenn Vogelfreunde bei der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ am heimischen Futterhäuschen weniger zu zählen hatten, dann lag das vor allem am Wetter. „Der bisher europaweit sehr milde Winter sorgt dafür, dass weniger Wintervögel aus dem Norden und Osten zu uns kommen und dass viele Waldvögel auch außerhalb der Gärten genug zu fressen finden und nicht zu den Futterstellen kommen“, so Freter. Die Zahlen für manch typische Futterhausbesucher wie Blaumeise, Eichelhäher, Buntspecht oder Gimpel seien aus diesen Gründen niedriger als im Vorjahr.

Gleichzeitig sei ein größerer Anteil an Teilziehern wegen der milden Temperaturen in Niedersachsen geblieben. „Es wurden unter anderem mehr Ringeltauben und Rotkehlchen gezählt“, so Freter. „Insgesamt liegt die Zahl der gesichtete Vögel pro Garten bei 37 und damit bisher nur leicht geringer als im Vorjahr mit 38 Vögeln pro Garten“. Am häufigsten gesichtet wurden in Niedersachsen wie im Jahr zuvor der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

Schlechte Nachrichten gibt es von der Amsel. „Mit 3,17 Amseln pro Garten verliert sie im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent, obwohl der Bestand bereits zwischen 2017 und 2018 um 22 Prozent abgenommen hatte. Niedersachsenweit sind zwar mehr Amseln pro Garten gemeldet worden als in Deutschland insgesamt (2,72 Amseln pro Garten), dennoch fährt diese Art auch in Niedersachsen ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis ein. Sicher konnten im sehr trockenen Sommer 2018 weniger Jungvögel überleben, da sie auf Regenwürmer angewiesen sind, die sie nur bei feuchtem Boden leicht finden können“, so der Pressereferent. „Der Hauptgrund dürfte aber die Usutu-Epidemie sein, die im vergangenen Sommer erstmals fast deutschlandweit aufgetreten ist und ihren Schwerpunkt auch in Niedersachsen hatte“.

Noch bis zum 15. Januar können Zählergebnisse nachgemeldet werden, auch die Eingabe von Meldungen, die per Post kommen, steht noch aus. Außerdem findet bis zum 11. Januar noch die „Schulstunde der Wintervögel“ statt. Die Endauswertung der Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ ist für Ende Januar geplant.

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