Foto: Adobestock/Andre Bonn

HANNOVER. Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies hat gestern den nationalen Zustandsbericht der Nordsee vorgestellt (LOKALHEUTE berichtete). Überrascht nahm der BUND zur Kenntnis, dass laut Umweltministerium in verschiedenen Bereichen Maßnahmen zur Erreichung eines guten Umweltzustands auf einem guten Weg seien. Aus dem Zustandsbericht geht das nach Ermessen des BUND nicht hervor. Vielmehr werde klar, dass im Vergleich zur ersten Zustandsbeschreibung der deutschen Nord- und Ostsee im Rahmen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) von 2012 bis heute keine Verbesserung eingetreten sei.

In Niedersachsen werden immer noch fast 70.000 Tonnen Stickstoff und 30.000 Tonnen Phosphor zu viel durch die Landwirtschaft erzeugt. „Eutrophierung und Schadstoffeinträge wurden bereits vor sechs Jahren als eine der Hauptbelastungen erkannt, dennoch sind sie weiterhin auf einem unzulässig hohen Niveau. Obwohl die Zusammenhänge und Ursachen weitestgehend bekannt sind, wurde offenbar nicht gehandelt“, stellt Susanne Gerstner, BUND-Landesgeschäftsführerin, fest. „Bei der Belastung von Müll im Meer werden zwar einige der von Minister Lies aufgeführten Maßnahmen bereits umgesetzt, die meisten befinden sich jedoch erst in Planung und haben noch keine positiven Auswirkungen auf den Zustand der Nordsee. Wie kann man auf einem guten Weg sein, wenn etwa 95 % der Totfunde von Eissturmvögeln Plastikmüll im Magen aufweisen?“

„Der Zustand der Meere ist unverändert desolat und verschlechtert sich rapide“, ergänzt Dr. Bettina Taylor, BUND-Meeresschutzexpertin. Tiere und Pflanzen der Nordsee seien großen Belastungen ausgesetzt, viele befänden sich in einem schlechten Zustand oder könnten mangels Daten nicht bewertet werden. „Nach dem Vorsorgeprinzip müsste dies dazu führen, dass z.B. die Fischerei auf Arten, deren Zustand unbekannt ist, eingestellt wird, anstatt sie weiter zu dezimieren. Auch die Zerstörung von Bodenlebensräumen durch eine flächendeckende Fischerei mit Grundschleppnetzen muss mit sofortiger Wirkung in bestimmten Bereichen wie in Schutzgebieten eingestellt werden“, so Taylor.

Der BUND fordert, dass der konkrete Stand der Umsetzung der Maßnahmenprogramme öffentlich gemacht wird. „Es muss klar dargestellt werden, in welchem Zeitraum und mit welchen finanziellen Mitteln die Bundes- und Landesregierung die Ziele der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie erreichen will. So, wie der Zustandsbericht jetzt vorliegt, werden die wichtigen Aufgaben nur von einem Sechs-Jahres-Zyklus auf den nächsten verschoben“, mahnt Gerstner.

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